Pavel Kühn, Gründer des Kühn-Chors

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Pavel Kühn (1938–2003)

Der außerordentliche Musiker, ausgezeichnete Chorleiter und Musikregisseur, vielseitige Arrangeur und Liebhaber moderner Musik stammte aus einer bedeutenden Kulturfamilie. Beide Eltern sangen – sein Vater Jan Kühn war Opernsolist, Dirigent und vor allem Chorleiter, Gründer der neuzeitlichen tschechischen Chortradition, seine Mutter Markéta Kühnová eine Sängerin und liebenswürdige Chorleiterin, die Schwester Jana Šulcová spielt Orgel und ist Musikpädagogin.

Pavel Kühn verbrachte seine Kindheit im Chor seines Vaters – war schon von klein auf außerordentlich begabt und trat somit schon im Kindesalter mit vielen Soli im Prager Nationaltheater und anderswo auf. Zum Chorleben und Drill gesellte sich später der Wunsch, das Werk der Eltern fortzusetzen. Im Jahr 1958 suchte sich Pavel Kühn aus dem Kinderchor seines Vaters entwachsene Mädchen aus und weitete sie ein Jahr später zum gemischten Kühn-Chor aus. Die hohen Ansprüche an die Sänger, mehrere Siege in internationalen Chorwettbewerben und die Notwendigkeit und Fähigkeit, einzuspringen und schnell schwierige Werke einzustudieren, verhalfen dem Chor und seinem Leiter zu einem hohen Renommee. In den 60er Jahren erweiterte sich sein Chorinteresse um Pop-Musik, als Sänger und Arrangeur arbeitete er mit dem Chor von Lubomír Pánek, der Gruppe Plavci, brachte den Chor zur Zusammenarbeit mit Václav Hybš, Václav Zahradník, Ladislav Štaidl, Karel Růžička, Jiří Stivín, Michael Kocáb und weiteren, auch weiterhin richtete sich seine Aufmerksamkeit jedoch vor allem auf so genannte E-Musik.

Sein Werk hat viele verschiedene Höhepunkte: Er verwirklichte eine Gesamtaufnahme der Chöre von Bohuslav Martinů, beteiligte sich an Rock-, Jazz- und alternativen Projekten, nahm viele Volkslieder auf, Musik für weltbekannte und auch heute völlig vergessene Filme, arbeitete an den Post-Synchronfassungen der berühmtesten tschechischen Filme, war ein unerschütterlicher Musikregisseur, maß guter Musik die gebührende Bedeutung zu und verstand es, weniger gute Musik schnell und gut aufzunehmen und im Konzert aufzuführen.

Seine besondere Vorliebe galt der Musik der Hochromantik, aber auch aktueller zeitgenössischer Musik. Schon Ende der 50er Jahre führte brachte er erste Uraufführungen, als er die Kantate Mikesch aus den Bergen des Familienfreundes Bohuslav Martinů mit einem jungen Chor aufführte. Seit jener Zeit arbeitete er immer häufiger mit jungen Komponisten zusammen – bei Festivals moderner Musik studierte der Chor dutzende Neuheiten ein und nahm sie auch häufig auf. Das große Werk Kühns ist fast unglaublich – es gibt hunderte Aufnahmen der von ihm geleiteten Chöre, in den Rundfunkarchiven sogar tausende. Seine Arbeit ist noch heute nicht nur in den berühmten Filmen aus den 60er Jahren zu hören, hier sei zumindest an seinen bedeutenden Anteil in der Musik von Markéta Lazarová, Das Tal der Bienen, König Ubu, aber auch bei Fernsehopern oder Aufnahmen mit populärer Musik erinnert. Obwohl er mit vielen bedeutenden Chören zusammenarbeitete (Prager Philharmoniechor, Tschechoslowakischer Rundfunkchor, Prager Kammerchor u. a.), hatte „sein“ Chor für ihn immer Vorrang, sei es wegen der Freundschaft mit langjährigen Mitgliedern oder der Arbeitsatmosphäre, die ihm immer neue Kräfte verlieh. Der größte Vorteil des nach außen hin Laienchors mit Profi-Ergebnissen war der innere Zusammenhalt im Chor, wodurch er auch bei ungünstigen Bedingungen und im harten Wettbewerb bestehen und einzigartige künstlerische Leistungen erbringen konnte. Das Vermächtnis des Werks und Engagements von Pavel Kühn gehört zu den beachtenswertesten musikalischen Leistungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Verfasser: Jan Pirner


Kühn-Chor und Pavel Kühn


Pavel Kühn mit seinen Eltern Jan Kühn und Markéta Kühnová


Pavel Kühn mit seinem Vater Jan Kühn


Pavel Kühn, Probe vor dem Konzert

24.10.2019, Hradec Králové
Hillborg: Sirény
4.12.2019, Praha, Obecní dům
Filmové melodie pro UNICEF
5.12.2019, Praha, Obecní dům
Filmové melodie pro UNICEF

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